Welcome, Teddy

„Wie ein Teddybär sitzt der etwa 6-jährige Huskymix…“ Es ist Mitte März; Nanook ist seit knapp 2 Wochen nicht mehr da. Chinua und ich lümmeln betrübt im Bett herum und ich scrolle mich durch meine Facebook-Timeline, ohne wirklich daran interessiert zu sein. Aber dann guckt mich dieses Plüschgesicht an, mit einem Blick, der mich verdammt an Nanook erinnert. Ich betrachte die Bilder, lese den Text dazu… „Niedlich“ denke ich. „Aber viel zu früh.“ Und clicke den Beitrag wieder weg. Sicherheitshalber hab ich ihn davor aber noch schnell gespeichert. „Wenn er im Herbst noch da ist, dann schreib ich vielleicht hin“ denk ich mir.

„Nein, er ist noch zu haben. Ja, wir vermitteln auch nach Österreich. Sehr menschenfreundlich ist er. Und mit Hündinnen kommt er auch gut klar. Sie können mich gerne anrufen“. Die Antwort auf meine Anfrage Ende März, ob Teddy denn noch da und wie er so ist. Ich habs nämlich nicht ausgehalten und eine gute Woche mindestens 1x täglich das Inserat wieder und wieder aufgerufen und angestarrt. Und weil ich angenommen hab, dass er eh schon vergeben sein wird oder sonst irgendwas einfach nicht passt, hab ich doch schon jetzt hingeschrieben. Damit ich ihn guten Gewissens aus meinen Gedanken löschen kann und vor mir selbst Ruhe hab. Tja, blöd. Hat nicht so ganz funktioniert.

Da aber Mitte April meine OP ansteht und es davor sowieso nicht geht, hab ich gesagt, ich meld´ mich dann einfach im Mai, wenn ich aus dem Krankenstand komme. „Bis dahin ist der sicher weg“ hab ich mir gesagt.

Mitte Mai haben wir telefoniert. Teddy war noch immer nicht weg. Und nach dem Telefonat hab ich noch viel mehr das Gefühl, dass der große Plüsch mit der verkehrten Pandamaske zu uns gehört. Und deshalb hab ich auch für Mitte Juni einen Besuchstermin vereinbart. Mal sehen, ob ich dann immer noch das Gefühl habe und v.a. ob Chinua ihn überhaupt mag. Das ist bei der ja nicht so, dass die jeden gleich toll findet…

„Der Teddy hat Interessenten, die jetzt schon ein paar Mal mit ihm spazieren waren. Die Vorkontrolle war positiv, er zieht heute um“. 2 Wochen vor dem Besuchstermin haut´s mich ein bissl aus den Socken. Irgendwie hab ich schon fix damit gerechnet, dass er der „neue Mann“ im Haus wird… Aber ich versuche zumindest tapfer, mich für ihn zu freuen. Ich hätt´ ihn ja eh erst im Herbst nehmen können. Weil Schottland und so. Wird schon nur mit Chinua ein großes Abenteuer, mit neuem 2. Hund trau´ mich mich das nicht wirklich. Also is´ eh viel besser so. Aber trotzdem… Hach…

Vorletzte Woche Montag… Ich komm heim und mir ist zum heulen. Chinua hat im Büro eine Kollegin gemieden. Das hat sie noch nie gemacht. Die war bei Menschen doch immer ein Labrador im Wolfhundepelz. Die beiden Männer in den Wochen davor am Parkplatz… ok. Da wird gebaut, da ist Lärm, kann schon sein, dass sie das verunsichert hat. Aber ne Frau? In unserem Büro?
Und am Heimweg beim Autowaschen hat sie regelrecht Panik geschoben, als ich mit ihr vor der Waschanlage gewartet hab. Seit Nanook tot ist, wird sie immer unsicherer. Sie ist nicht mehr der fröhliche, lustige und unbeschwerte Hund, der sie mal war. Mich macht das ziemlich fertig. Ich mag das nicht. Dann das ping vom Facebook-Messenger: „Teddy kommt heute zurück in die Vermittlung. Die neuen Besitzer wollen ihn nicht mehr“. Und ich nur so: wtf?!

Letzte Woche Montag: Gestern sind Chinua und ich die 660km nach Meiningen im Thüringer Wald gefahren, haben eine kleine Runde gedreht (damit wir nicht ganz umsonst dort waren, falls Chinua ihn fressen will) und dann aufgeregt (ich zumindest, Chinua wusste ja nix von meinen Plänen) auf den nächsten Morgen gewartet. Am Vormittag sind wir zur Tierauffangstation gefahren, um Teddy zu treffen. Chinua bleibt zuerst im Auto. Und dann darf ich ihn endlich kennen lernen. Er begrüßt mich freundlich, lässt sich streicheln und knuddeln und muss dann erst mal dringend markieren gehen. Ich bin schon schwer verliebt. Aber da ist ja noch Chinua, die alte Zicke. Wir gehen zuerst ein Stück an der Leine spazieren, ohne Direktkontakt. Das hat sich bei Chinua in der Vergangenheit bewährt. Sie ist ja nicht grundsätzlich unverträglich. Es gibt wenige Hunde, an die man sie gar nicht gewöhnen kann. Aber es gibt auch nur wenige, die sie sofort mag. Meistens ist sie erstmal furchtbar wichtig. Und wenn das Gegenüber ihr nicht ausreichend huldigt, gibt´s eins auf die Mütze. Nicht arg, aber es schaut nicht so schön aus und macht auch ein bissl Krach, wenn sie so gefährlich brüllt. Danach gehts dann eh. Macht aber sicher keinen guten Eindruck heute. Und sonst natürlich auch nicht. Daher mach ich´s am Liebsten mit langsamer Gewöhnung durch ein paar Leinenspaziergänge ohne Direktkontakt. Aber die Zeit haben wir diesmal halt nicht.

Plötzlich stehen Teddy und Chinua Gesicht an Gesicht. Ich hab nicht aufgepasst. Und halte kurz den Atem an. Teddy stupst Chinua mit der Nase frech an die Backe. Und die ist ganz perplex ob derartiger Dreistigkeit. Macht einen Satz rückwärts, kreischt empört auf und zeigt kurz defensiv die Beißerchen. „Scheiße“ denk ich mir. Nicht der beste Start. Zurück im Tierheim geht´s dann in den Freilaufbereich. Chinua darf zuerst rein. Dann kommt Teddy. Das erste Mal läuft nicht sie zum Artgenossen, sondern bleibt abwartend stehen. Er kommt zu ihr. Sie beschnüffeln sich bilderbuchmässig und super artig. Und das war´s dann. Ab da freundlich-höfliche Ignoranz. „Ach du auch da – passt, alles gut.“ Zum Schluß gehen wir nochmal ein Stück spazieren. Diesmal hab ich beide an der Leine. Teddy und Chinua laufen vor mir Seite an Seite, als hätten sie nie was anderes gemacht. Schaut gut aus. Und fühlt sich gut an.

Und jetzt ist er da. Gekommen um zu bleiben. Die neuen Turnschuhe warten schon im Schrank auf ihren Einsatz. Nach Schottland geht´s nun doch zu 3. Ich glaub ja nicht so an Schicksal und sowas. Aber die ganze Gesichte war jetzt schon etwas strange. Hat wohl so sein sollen. Ich freu mich. Vielleicht endet 2018 doch nicht so kacke, wie es angefangen hat…?!

Welcome Teddy!

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