Weißer Schweizer Schäferhund

Allgemeine Angaben lt. Rassestandard:

Der BBS gehört zur FCI Gruppe 1 (Hüte- & Treibhunde), Sektion 1 (Schäferhunde) und hat die FCI Nummer 347

  • Verwendung:  Familien- und Begleithund mit ausgesprochener Kinderliebe, aufmerksamer Wächter, freudiger und gelehriger Arbeitshund
  • Wesen: Temperamentvoll, nicht nervös, aufmerksam und wachsam; gegenüber Fremden gelegentlich etwas zurückhaltend, niemals ängstlich oder aggressiv
  • Größe: Rüden 60 – 66 cm Stockmaß, Hündinnen 55 – 61 cm
  • Gewicht: Rüden 30 – 40 kg, Hündinnen 25 – 30 kg
  • Alter: durchschnittlich 12 Jahre; die ältesten bekannten BBS sollen 17 Jahre geworden sein. Aus- und Erwachsen sind die Weißen erst mit 2 – 3 Jahren – sie sind daher eher Spätentwickler!
  • Fell: weiß – Stockhaar oder Langstockhaar
  • Pigment: sollte möglichst dunkel sein – schwarze Nase, Lefzen, Krallen… (Bei gut pigmentierten Hunden findet man manchmal sogar das eine oder andere schwarze Haar im Fell) – der Weiße Schäferhund ist kein Albino!

Die vielen Namen des Weißen Schweizer Schäferhundes:

  • White German Sheep Dog (Weißer Deutscher Schäferhund) wurde v.a. im Englisch sprachigen Raum verwendet, was dem Verband für Deutsche Schäferhunde natürlich wenig zusagte
  • White Alsatian (Weißer Elsässer) v.a. in Großbritannien gebräuchlich
  • Kanadischer Schäferhund wurde er in der Schweiz lange Zeit genannt
  • Amerikanisch-Canadischer Schäferhund (A.C. Schäferhund) war die am längsten gebräuchliche Bezeichnung in Europa (da der amerikanische Kennelclub aber nicht zur FCI gehört, war die Anerkennung unter diesem Namen nicht möglich)
  • Berger Blanc Suisse ist der offizielle, von der FCI anerkannte Rassename (Französisch weil dies eine der 4 Nationalsprachen der CH und außerdem offizielle Verhandlungssprache der FCI ist)
  • Weißer Schäferhund ist heute am meisten verbreitet

Rassegeschichte:

Die Ahnen des Weißen wie auch des Deutschen Schäferhundes dürften die europäischen Hirten- und Hütehunde des 18. und 19 Jahrhunderts gewesen sein, die wegen ihrer hervorragenden Arbeitseigenschaften sehr geschätzt wurden. Zwar wurde auf Schönheit kaum Wert gelegt, doch kristallisierte sich mit der Zeit ein einheitliches optisches Erscheinungsbild heraus. Rittmeister von Stephanitz fand Gefallen an diesen Hunden und eröffnete mit „Horand von Grafreith“; als ersten eingetragenen Deutschen Schäferhund 1899 das Zuchtbuch. Horands Großvater „Greif“ war weiß; und auch die folgenden Jahre wurden immer wieder weiße Hunde geboren und registriert.

Die weiße Farbe war übrigens gerade bei den Schäfern damals besonders beliebt, da diese hellen Tiere in der Dämmerung leichter von Wölfen zu unterscheiden waren, als Dünklere. Auch waren die Weißen Ende des 19. Jahrhunderts im Hause Habsburg sehr gefragt, passten sie doch perfekt zu den weiß gekleideten Damen des Adels und zu den Lipizzanerpferden.

Erst 1933 wurde die Farbe Weiß vom Verband ausgeschlossen, vermutlich wurde sie (fälschlicherweise) für alle möglichen Defekte verantwortlich gemacht und galt plötzlich als minderwertig.

Weiße Schäferhunde wurden nicht mehr registriert und zur Zucht zugelassen und verschwanden schließlich aus Europa. In den USA und Kanada kamen weiße Tiere aber weiterhin vor, wurden noch eine Zeit lang registriert und schließlich als eigenständige Rasse gezüchtet.

1970 brachte eine Schweizerin den ersten weißen Rüden „Lobo“ zurück nach Europa und begann von ihrer Heimat aus mit der Zucht. Diese – nicht anerkannte, neue Rasse – fand Liebhaber und verbreitete sich langsam in ganz Europa. 1989 wurde in der Schweiz dann der erste Rasseclub gegründet und national anerkannt und man begann, auch um eine offizielle Rasseanerkennung seitens der FCI zu kämpfen. Seit Jänner 2003 ist der Weiße Schäferhund offiziell unter dem Rassenamen Berger Blanc Suisse und der Schweiz als Ursprungsland von der FCI anerkannt.

Pflegeaufwand:

Beim Langstockhaar sicher aufwändiger als beim Stockhaar, aber nicht pflegeintensiver als andere Rassen mit vergleichbarer Fellstruktur – bei der hellen Farbe sieht man den Schmutz lediglich besser als bei dünkleren Hunden. Gatsch u.ä.wird ausgebürstet, sobald er getrocknet ist – regelmäßiges Baden ist weder nötig noch sinnvoll. Regelmäßiges Kehren oder Staubsaugen empfiehlt sich hingegen unbedingt. Auch verliert der Hund schon einiges an Fell – und das nicht nur im Fellwechsel. Gebürstet wird Nanook alle 2 Tage. Wird das Fell zu lange nicht gepflegt, beginnt es, streng zu riechen. Bei Nanook wird das Fell im Winter tw. etwas dunkler, er ist dann nicht mehr ganz reinweiß, sondern bekommt wildfarbene Stellen. Im Frühjahr gibt sich das aber wieder. Wildfärbung kann außerdem durch falsche Ernährung (zuviel Kupfer, Karotin und/oder Vitamin A-Gehalt im Futter) entstehen oder vererbt werden.

Krankheiten:

Wie bei allen größeren Rassen sind Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED) ein Thema – man sollte das Tier mit etwa 1,5 Jahren diesbezüglich röntgen lassen und davor übermäßige Belastungen von besagten Gelenken vermeiden. Auch Speiseröhrenverengung (SE) und Hodenfehler können beim Weißen vorkommen. Die meisten gesundheitlichen Probleme dürften beim BBS durch Allergien verursacht werden, außerdem kommt der MDR1-Gendefekt (Unverträglichkeit gegen verschiedene Wirkstoffe die in Medikamenten verwendet werden) vor.

Die üblichen Aussagen zum Weißen Schäfer:

WS sind tolle Familienhunde und zeichnen sich durch besondere Kinderliebe aus: ja, sofern man sich vorab mit der Rasse beschäftigt und sich bewusst ist, was diese Tiere benötigen. Wie bei jeder anderen Rasse können die Hunde sehr kinderlieb sein, wenn sie entsprechend daran gewöhnt werden und keine schlechten Erfahrungen machen müssen. Hunde, wie Kinder sollten sich an gewisse Regeln und Grenzen halten – weder ist der Hund Spielzeug des Kindes, noch hat das Kind vom Hund gemaßregelt oder erzogen zu werden.

WS brauchen Beschäftigung: das ist absolut richtig und zwar körperlich wie auch geistig. Der Eisbär ist ein richtiges Temperamentbündel; er möchte nicht nur laufen und toben, sondern auch denken können. Fehlte es ihm an Beschäftigung, wurde er in jüngeren Jahren zu einer regelrechten Nervensäge – jetzt im gehobenem Alter ist er sehr ausgeglichen und hat auch mit mehreren wenig aktiven Tagen hintereinander keine Probleme mehr. Wichtig ist jedenfalls, dem Hund genügend Beschäftigung zu bieten, ohne ihn zu überfordern und einen „Action-Junkie“ aus ihm zu machen. Nanook kann innerhalb von kürzester Zeit von 0 auf 100 aufdrehen, bis er wieder runterschraubt und entspannt, braucht es aber einige Zeit – Ruhetage ohne viel Action sind deshalb durchaus empfehlenswert. Wir würden die Rasse Weißer Schäferhund aus den genannten Gründen hauptsächlich aktiven und unternehmungslustigen Menschen empfehlen, die sich ausreichend Zeit für einen solchen Hund nehmen können und wollen.

WS sind intelligent, lernwillig und leicht erziehbar, da sie sich in der Regel gut unterordnen: im Prinzip ja. Der Weiße Schäferhund hat ( wie sein Bruder, der DSH und andere) eine hohe Arbeitsintelligenz – dh. er möchte geistig beschäftigt und gefordert werden und zeigt einen hohen „Will to Please“ – die Bereitschaft gemeinsam mit seinem Menschen zusammen zu arbeiten. Mit Motivation und Bestätigung lernt er sehr schnell, die Erziehung sollte konsequent, aber mit Liebe erfolgen.

WS sind sehr sensibel: Jein. Es gibt wesentlich sensiblere Hunde als Nanook und – wie bei jedem anderen Hund auch – ist er in hoher Trieblage natürlich weniger sensibel als im Ruhezustand. Als Jungspund war er draussen Haudegen und drinnen überdimensionaler Schoßhund. Jedenfalls kann er ein rechtes Mimoserl sein – er fühlt sich bei Streit unwohl und schnell angesprochen, auch wenn er gar nicht gemeint ist und man den anderen Hund schimpft. Permanenter oder zu großer Druck und Zwang in der Ausbildung verträgt der Bub nicht – er reagiert darauf mit Unruhe und Stress. Geduld und Konsequenz, gepaart mit für den Hund eindeutigen Forderungen und abwechslungsreichen Training lassen ihn konzentriert und mit Freude mitarbeiten.

WS sind vielseitig einsetzbar: das stimmt – man findet sie heute in vielen Sparten des Hundesports und sie erbringen auch als Blinden- oder Rettungshunde sehr gute Leistungen. Man sagt ihnen eine hervorragende Nasenarbeit nach, was wir in Nanooks Fall bestätigen können. Er arbeitet nicht nur gut, sondern auch besonders gerne mit der Nase.

WS eignen sich nicht zum Schutzhundesport: stimmt so nicht. Mit einem triebigen DSH oder Mali kann er i.d.R. nicht mithalten – wer also im Schutzhundesport weit nach oben kommen möchte, wird mit einem Weißen nicht unbedingt gut beraten sein. Zu Prüfungen und kleineren Turnieren schafft es der Weiße aber allemal – sofern er richtig (über Beutetrieb) aufgebaut wird und man ihm die nötige Zeit gibt, die er braucht. Empfehlenswert ist in jedem Fall, schon beim Welpen viele Beutespiele – auch mit für den Hund fremden Personen – zu machen.

WS sind ängstlich und Fremden gegenüber oft zurückhaltend: zum Teil. Als Welpe war Nanook ihm unbekannten Menschen gegenüber zunächst sehr aufgeschlossen und freundlich. Mit ca. 1/2 Jahr änderte sich das und er zeigte bei Fremden Meideverhalten; brummte oder bellte – niemals alleine wegen ihrer Anwesenheit – es ging stets um Kontaktaufnahme durch fremde Personen; v.a. wenn ihn diese zu stark bedrängten. Mit etwas Geduld kann man da aber durchaus dagegen arbeiten. Mittlerweile sind ihm die meisten Fremden egal, ihm bekannte Personen hingegen werden mit überschwänglicher Freude begrüßt. Unbekannten Objekten gegenüber konnten wir zu keiner Zeit Scheu erkennen; der Bub ist auch nicht Geräusch-empfindlich. Man kann ihn so gut wie überall hin mitnehmen; auch bei größen Menschenansammlungen und Lärm bleibt er absolut cool und gelassen.

WS neigen zu farblichem „Rassismus“: das wiederum ist etwas, was wir nicht feststellen konnten. Als junger Hund sah er Welpen und Hündinnen als Spielpartner; unsichere Rüden wären gerne gemobbt worde, mit jenen, die sich gerne messen, legte er sich bereitwillig an – unabhängig von Farbe und Rasse. Mit zunehmendem Alter interessieren ihn fremde Hunde nicht mehr. Gespielt wird nur mehr mit ihm sehr gut bekannten Hunden, sonst bleibt es bei einem kurzen schnüffeln; anschließend geht er wieder seiner Wege.