Häufige Fragen & G´schichtln

Wenn man beginnt, sich über die Rasse zu informieren, kennt ja plötzlich jeder jemanden, der jemanden kennt der… eh schon wissen. Und man hört und liest die ärgsten Geschichten und Mythen über diese Tiere. Oder steckt vielleicht doch ein wahrer Kern dahinter? Was stimmt denn nun und was gehört in den Bereich “Märchen und Sagen”?

Ich möchte allerdings nochmal darauf hinweisen, dass es sich dabei lediglich um meine Erfahrungen mit meiner TWH-Hündin und meinen Beobachtungen von mir bekannten TWH handelt!

TWH sind scheu, ängstlich und zurückhaltend: Aussage einer Freundin und Trainerin als sie Chin kennen lernte: “Na die hat ihre Rassebeschreibung aber nicht gelesen!” Stimmt nicht ganz, denn scheu und ängstlich sollten TWH nie sein, wohl dürfen sie aber Fremden gegenüber reserviert agieren. Die meisten TWH die ich kennen gelernt habe, sind entweder schlichtweg neutral und desinterssiert an Fremden, immer mehr aber durchaus auch offen. Chinua liebt Menschen – ganz besonders Kinder, bei denen sie auch immer schon sanfter agiert hat, als bei Erwachsenen. 2-Beiner sind potentielle Futter- & Aufmerksamkeitsspender und von beidem kann Madame kaum genug bekommen. Als Welpe und Junghund hätte sie am liebsten jeden gerne begrüßt; seit sie erwachsen ist, ist sie dabei nicht mehr ganz so plump wie ein Retriever, aber dennoch immer noch extrem offen und menschenfreundlich. Normalerweise ignoriert sie fremde Leute, wobei sie einen untrüglichen Riecher für potentielle Bewunderer hat und es schafft, trotz des von mir geforderten “Zu mir” Kontakt aufzunehmen, z.B. indem sie brav bei mir geht, bis wir auf Höhe der Entgegenkommenden sind, dann aber die Nase in deren Richtung streckt oder plötzlich ein wenig trödelt und dann auch garantiert angesprochen wird. Und da Frauchen nicht gerne unhöflich ist, wird einem “darf man den streicheln” dann halt statt gegeben. Bekannte Menschen werden mit großer Begeisterung und oftmals etwas stürmisch begrüßt. Ignorieren funktioniert seltenst, da sich Frau Wolfhund mit Sicherheit etwas einfallen lässt, das ein Ignorieren unmöglich macht – sei es, weil sie einen Zopf vom Gummiringerl befreit oder einem etwas unsanft die feuchte Nase in die Augenhöhle stößt und einen zu einem leicht schmerzerfüllten Aufschrei nötigt oder aber weil sie sich sonst irgendwelche Dummheiten einfallen lässt, die einen garantiert zum Lachen bringen.

Chinua in Ernstbrunn 2012

Mit verschiedenen Untergründen oder Geräten hatte sie nie Probleme, war im Gegenteil immer sehr neugierig und wollte alles erkunden. Auch optische Reize erschrecken sie kaum. In der Pubertät und jetzt im Alter zeigt sie sich aber geräuschempfindlich. War sie lange Zeit schussfest, so reagiert sie jetzt auf sämtliche knallähnliche Geräusche mehr oder weniger mit Unwohlsein.

Es lässt sich allerdings nicht leugnen, dass es durchaus auch ängstliche TWH gibt, die v.a. auch fremden 2-Beiner gegenüber scheu reagieren.

TWH haben ein hohes Aggressionspotential: Typisch für (insbesondere junge) TWH dürfte ihre ungestüme und mitunter recht grobe Art sein, was sich v.a. in sehr stürmischen und auch schmerzhaften Begrüßungen (springen und zwicken) oder beim ausgelassenen Spiel äußert. Mit konsequentem Training lässt sich das aber mit Sicherheit unter Kontrolle bringen.

Bei Artgenossen entscheidet die Sympathie, wobei sie i.d.R. nicht unbedingt Hundewiesenhunde sind und häufig recht dominant auftreten können.

Menschen gegenüber konnte ich bei meiner Hündin bislang keine Aggression feststellen – sie hatte allerdings auch noch nie Anlass dazu. Ich hoffe sehr, dass das auch so bleibt, zweifle aber nicht daran, dass sie im Fall des Falles ihrem durchaus vorhandenen Schutztrieb nachkommt.  Grundsätzlich sollte man aber nicht vergessen, dass der TWH lange Zeit auf Gebrauchshundeeigenschaften hin selektiert wurde und ursprünglich als Diensthund an der tschechoslowakischen Grenze eingesetzt werden sollte. Das mag aus verschiedenen Gründen nicht ganz so geglückt sein, wie man sich das vorgestellt hatte, hat den TWH aber durchaus geprägt und zu einem eher kernigen Hund geformt. Auch verfügen TWH über eine gewisse Territorialität und über Wachtrieb.

Ein relativ häufiges Thema dürfte v.a. bei noch jungen TWH Ressourcenverteidigung sein. Sowohl Chinua, als auch einige andere TWH die ich kennen gelernt habe, meinten, Ressourcen auch gegenüber ihren 2-Beinern verteidigen zu müssen. Nun sollte sich ein Hund – gerade in Zeiten, in denen Hundehasser immer öfter Gift ausstreuen – von seinem Menschen Dinge problemlos abnehmen und ins Maul fassen lassen, allerdings basiert das alleine auf einem intakten Vertrauensverhältnis und nicht, wie manchmal angenommen, auf der Tatsache, dass Mensch der Boss ist und Hund deshalb alles wegnehmen darf. Unter Caniden gilt: was einer hat, gehört ihm und wird auch von Ranghöheren nicht aus dem Maul gerissen. Für den Hund unverständliches und nicht nachvollziehbares Chef- und Alphagetue kann schnell zu Misstrauen führen und es wäre nicht das erste Mal, dass ein TWH dann irgendwann zu verstehen gibt: mit mir nicht.

Apropos zu verstehen geben: TWH zeigen mitunter auch bei inniger Bindung und intensivem Vertrauen, wenn ihnen etwas nicht taugt – durch “Gebrumme” – einfach eine Unmutsäußerung; für Außenstehende klingt es aber häufig wie ein Knurren und man erntet schon mal einen entsetzten Blick, weil der Hund seinen Menschen “angeknurrt” hat.

TWH sind Ausbruchs- & Zerstörungskünstler und können nicht alleine bleiben: Ausgebrochen – dh. von mir weg ist Chinua noch nie, aber viele vermeintliche Hindernisse sind für sie keine, wenn es darum geht, dass sie zu mir will. Türen und Fenster öffnet sie zum Glück nicht – es gibt aber einige TWH die dies tun. Wenn´s sein muss, können TWH auch über 2m hohe Zäune klettern. Das Alleine bleiben ist tatsächlich bei vielen TWH ein großes Thema und muss langsam geübt werden, es ist sicher von großem Vorteil, wenn ein zweiter Hund da ist. Meine Hunde sind 5x/Woche 7 Stunden alleine, wenn ich arbeiten bin. Ich gehe davor eine kleine Runde spazieren, gebe ihnen beim Weggehen etwas zum Kauen und dann verschlafen sie den Großteil des Vormittags. Zwinger oder Box besitze ich nicht – sie haben die gesamte Wohnung für sich. Das war allerdings nicht immer so. Die ersten 2 Jahren war Chinua in dieser Beziehung durchaus anstrengend. Anfangs gingen v.a. liegen gelassene “Kleinigkeiten” kaputt, die dann Schritt für Schritt immer höher hinauf oder ganz weggeräumt wurden, dann zog sie sich Bücher aus dem Regal (selbstverständlich begnügte sich Fräulein Wolfhund nicht mit den billigen Romanen, sondern griff zielsicher zu den teuren Sach- und Fachbüchern) und schließlich erkundete sie das Innenleben der Couch. Daraufhin hatte sie das nächste Jahr in meiner Abwesenheit nur ein Zimmer zur Verfügung; mittlerweile darf sie sich aber wieder in der ganzen Wohnung frei bewegen und lässt man nicht gerade (ihrer Meinung nach) Essbares stehen, geht auch nichts kaputt. Im Auto oder im Hundeverein kann sie problemlos auch längere Zeit in ihrer Box warten – ohne diese zu demolieren oder zu heulen. Als Welpe hatte Chin außerdem ein extrem hohes Kaubedürfnis – passte man nicht auf, wurde einfach alles angenagt. Mit genügend Kauspielzeug und v.a. Aufmerksamkeit ließ sich das dann aber gut kontrollieren und in Grenzen halten.

TWH haben sehr hohen Jagdtrieb: Das ist recht unterschiedlich und von TWH zu TWH verschieden. Jagdtrieb hat Chinua schon, springt ein Reh vor ihr auf, würde sie gerne nachlaufen. Sie ist aber nicht ständig auf der Suche nach etwas “Jagbarem”; geht nur auf Sicht und nicht auf Spur und läuft in mäßig wildreichen Gebieten durchaus ohne Leine. Mit einigem Training ist sie mittlerweile an der Leine auch trotz Wildsichtung ansprechbar. Es gibt TWH die über kaum bis keinen Jagdtrieb verfügen, es gibt aber auch welche mit sehr starkem Jagdtrieb, die sowohl Sicht- als auch Spurjäger sind und kaum oder gar nicht von der Leine können.

TWH sind noch sehr ursprünglich in ihrem Verhalten: TWH haben eine sehr ausgeprägte Mimik & Körpersprache und somit um einige Nuancen in der Kommunikation mehr zur Verfügung. Das Alleine bleiben lernen kann sich mitunter etwas schwierig gestalten, weil sie gerne bei ihrer Familie sind und sich sehr stark an ihre Bezugsperson binden. Sie sind sehr intelligent, was Problemlösungsverhalten betrifft, verfügen über keinen bedingungslosen Gehorsam, sondern sind selbstständig denkende Hunde. Sie sind in allem irgendwie “intensiver” und überschwänglicher. Was davon aber vom Wolf und was vom Hund und in welchem Maße kommt, lässt sich wohl schwerlich eindeutig festmachen. Fakt ist: TWH sind Hunde und keine zahmen Wölfe und sollten auch nicht wie solche behandelt werden!

Hägar Zlatá Palz & Chinua, Wolfhundetreffen 2011 Gablitz. Sindi Saljii

TWH sind keine Hundewiesenhunde: Da ist meiner Meinung nach häufig was dran.

Als Welpen und Junghunde sind die meisten TWH i.d.R. älteren Artgenossen gegenüber noch sehr „schleimig-unterwürfig“, oft allerdings sehr wild und ungestüm in ihrer Fiddelei. Annähernd Gleichaltrigen sind sie jedoch häufig hoffnungslos überlegen – man sollte hier schon aufpassen, sich nicht einen kleinen King oder eine kleine Queen heran zu erziehen. Bei den Kontaktphasen im Welpenkurs musste Chinua meist sehr schnell heraus genommen werden und pausieren, weil die Welpenkurskollegen gegen sie einfach nicht ankamen. Mit 9 Monaten hat sie das erste Mal einer erwachsenen Hündin ganz selbstsicher und demonstrativ den Kopf über den Nacken gelegt und auf deren Unverständnis, was der Jungspund da jetzt beabsichtig, mit viel „Gebrüll“ Nachdruck zu verleihen versucht.

Ihre Hundefreunde liebt sie heiß und innig. Zwar besteht sie beim Aufeinandertreffen auf Höflichkeit – v.a. bei jüngeren Artgenossen, danach zeigt sie sich aber sehr tolerant. Wenn es zwischen ihr und ihren Hundefreunden doch mal kracht, ist sie nicht nachtragend. Ausgelassenem Spiel ist sie nicht abgeneigt, achtet aber stets darauf, dass es nicht kippt und stellt dieses bei Bedarf zeitweilig ein, bis sich die Teilnehmer wieder beruhigt haben. Hunde, die sie von Welpen an kennt (in beide Richtungen – also sowohl Hunde die sie kennen gelernt hat, als sie selbst noch ein Welpe war, als auch jene, die sie von Welpen-Beinen an kennt) oder die wenigen, die sie auf Anhieb mag, merkt sie sich. Ihr Papa (sie verbrachte die ersten 8 Lebenswochen mit beiden Eltern), den sie etwa alle 2 Jahre mal sieht, wird auch heute noch begrüßt, wie kein anderer Hund auf der ganzen Welt – da wird Chinua selbst wieder zum Welpen.

Rüden mit starkem Imponierverhalten sind ihr etwas suspekt – da wird ordentlich gezickt. Gar nicht gehen sehr hektische, wuselige und laute Hunde mit hohem Energielevel – hier versucht sie – freilich vergebens – Ruhe herzustellen; packt dabei gerne mal den Holzhammer aus und versucht, das Gewusel mittels auf den Boden festpinnen einzustellen, was i.d.R. für noch mehr Gestrampel, unterlegt mit Gekreische, kommentiert wird, woraufhin sie auch noch einen Gang drauflegt um noch nachdrücklicher für Ruhe zu sorgen versucht. Da beißt sich die Katze quasi in den Schwanz. Ich denke auch, dass es öfters aufgrund dem Mehr an Mimik und Gestik bei TWH zu Missverständnissen mit anderen Hunden kommen kann, die einfach nicht so viel an Ausdrucksverhalten zeigen können, wie TWH vielleicht gewöhnt ist und erwartet.

Ein alle-liebender Hundewiesenhund ist meine Wolfhündin sicher nicht; „Leine ab und mach mal“ empfiehlt sich nicht immer, weil es da zu Konfliktsituationen kommen kann. Sie zeigt häufig dominantes Auftreten gegenüber fremden Hunden (was nicht bedeutet, dass sie auch immer tatsächlich dominant oder gar souverän ist) und ist eine sehr statusbewusste Dame, die gerne geklärt haben möchte, wer in einer Begegnung wo steht. Mittels ruhigem Leinenspaziergang ohne sofortigen Direktkontakt lassen sich neue Hundebekanntschaften aber meist auch ohne anfängliche Differenzen herstellen. Zu Welpen ist sie freundlich, agiert aber durchaus erzieherisch.

Chinua mit Labradorwelpe Perro, 2017

Bei Treffen zeigt sich meist, dass gerade Rüden ganz gerne auch gegen Geschlechtsgenossen prollen. Chinua täte das ab und an auch ganz gerne (Rüde oder Hündin spielt dabei keine Rolle), hat aber mit der Zeit gelernt, dass dies absolut unerwünscht ist und prollt zumindest nicht offen mit lautem Geknurre (wer genau hinschaut, kann aber ab und an dennoch einen provozierenden Blick, etwas staksiken Gang oder eine sehr hoch getragene Rute erkennen). Chin kann ohne Direktkontakt in Gruppen völlig entspannt und gelassen unterwegs sein (sei es bei Treffen, Spaziergängen, Ausstellungen, am Hundeplatz ect.), sobald es aber um direkte Interaktion mit noch unbekannten Hunden geht, kann es zu Konflikten kommen. Sie geht dabei sehr „gehemmt“ vor (d.h. sie verletzt nicht), fährt aber dennoch wie ein Wirbelwind über den Artgenossen, wenn sie sich diesem überlegen fühlt und ihr nicht der nötige Respekt gezollt wird.

Meiner Erfahrung nach, lassen sich TWH besser mit einem 2. Hund zusammen halten, wobei der andere Hund nicht zwingend ein Wolfhund sein muss. Grundsätzlich sollte man sich bewusst sein, dass es bei der Haltung von 2 gleichgeschlechtlichen Tieren (v.a. mit geringem Altersunterschied und mit ähnlich selbstbewusstem Auftreten wie TWH es meist zeigen) zu Problemen kommen kann. Unmöglich ist es aber natürlich nicht, wie zig derartige Konstellationen beweisen.

Wer gerne mit seinem 4-Beiner auf Hundewiesen unterwegs ist, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er mit einem TWH diese Leidenschaft möglicherweise aufgeben wird müssen, sofern er sich nicht als Hundewiesenschreck einen Namen machen möchte.

TWH sind gesünder als andere Hunde: Nö. Auch beim Tschechoslowakischen Wolfshund können Hüftgelenk- (HD) und Ellenbogendysplasie (ED) vorkommen; allerdings zeigen betroffene TWH oft weniger Probleme als Hunde anderer Rassen. Auch hier sollte man mit etwa 1,5 Jahren diesbezüglich röntgen lassen und davor übermäßige Belastungen von besagten Gelenken vermeiden. Ein weiteres Thema bei dieser Rasse sind Zwergenwuchs und Degenerative Myelopathie (DM). Ein seriöser Züchter lässt seine Tiere auf all diese Krankheiten hin testen.

Mit TWH sollte man täglich mehrere Stunden lang in Wald & Flur unterwegs sein: Auch hier – nein. Grundsätzlich ist die Rasse sehr robust und ausdauernd; genau das war ja auch einer der Punkte, die man durch die Verpaarung DSH mit Wolf erreichen wollte. Das bedeutet allerdings nicht, dass man dies auch ständig unter Beweis stellen muss. TWH benötigen genauso viel Bewegung wie andere größere, agile und aktive Rassen. 2x am Tag eine kleine Runde um den Häuserblock reicht mit Sicherheit nicht, um ihrem Bewegungsdrang gerecht zu werden, aber Tag für Tag 5 Stunden wandern braucht sicherlich kein Wolfhund. Es gilt, wie bei allen anderen Hunden auch, ein ausgewogenes Mittelmaß zu finden, damit das Tier gut beschäftigt und auslastet ist, ohne jedoch einen Leistungssportler aus ihm zu machen, der keine Sekunde mehr still sitzen kann und permanente Action braucht und fordert.

Hündinnen sind einfacher als Rüden: Ich selbst habe bislang ja nur eine Hündin dieser Rasse und kann daher schwerlich wirklich qualifizierte Vergleiche anstellen, zumal man sicher nicht pauschal sagen kann: Rüden sind so und Hündinnen so. Nach meinem Erfahrungsbericht dürfte klar sein, dass meine Hündin nicht zu den sanfteren und einfacheren Damen gehört (hat). Meiner Meinung nach sind Rüden oft etwas ruhiger (im Sinne von bequem, weniger aktiv und quirlig), einfacher gestrickt, dafür aber auch lauter und prolliger und testen offenkundiger als es die Mädls tun. Hündinnen sind häufig die aktiveren, dafür aber in ihrem Denken und Handeln diffiziler, komplexer und “ausgefuchster”.

TWH sind keine Familienhunde: Jein. TWH können sogar sehr gut in einer Familie gehalten werden – sie müssen eben lernen, dass man mit Kindern oder Oma und Opa vorsichtiger umzugehen hat. Meist wird heiß und innig geliebt, wer zur Familie gehört. Da sich TWH aber i.d.R. sehr stark an eine Person binden und häufig auch nicht die leicht-führigsten Tiere sind, sind sie meiner Meinung nach nicht die prädestiniertesten Hunde für den Job als Familienhund schlechthin, von dem meist erwartet wird, dass er jedem Familienmitglied gleichermaßen folgt und mit dem sowohl der 10 jährige Sohn als auch die 80 jährige Omi mal eben Gassi gehen können.

TWH vertragen sich nicht mit anderen Tieren: stimmt so nicht. Wir leben auch mit einer Katze zusammen. Zugegeben, es hat Anfangs recht lange gedauert, bis sie verstanden hat, dass sie diese nicht jagen und auch nicht wild mit ihr spielen darf, aber sie hat es gelernt. Und sie hat auch gelernt, neben einem Pferd mitzulaufen, statt hinter ihm her mit der Nase in dessen Popo. Hier gilt meiner Meinung nach, was auch bei allen anderen Hunden gilt: sie müssen – am besten von klein auf – lernen, andere Tiere zu akzeptieren, dann hat man auch ganz gute Chancen, dass die eigene Katze, die eigenen Hühner oder Kaninchen nicht bejagt und verspeist werden wollen. Es gibt sogar sehr viele TWH Halter, die ihr Leben auch noch mit anderen Tieren teilen und es gibt auch einige TWH, die zu Reitbegleithunden ausgebildet wurden.

TWH sind Spätentwickler: definitiv! Man sagt, sie werden mit etwa 3 Jahren erwachsen; viele TWH Halter (inklusive mir selbst) empfinden aber häufig auch erst das 5. Lebensjahr als den Zeitpunkt, wo sie ihr Tier als erwachsen geworden bezeichnen. Bei Chin hat sich das, abgesehen von größerer Ausgeglichenheit bzw. weniger Gehibbel, v.a. in ihrer Konzentrationsfähigkeit und auch im hundesportlichen Training gezeigt. Plötzlich waren ihre Leistungen nicht mehr stimmungsabhängig, sondern relativ konstant abrufbar und sie war weit weniger empfänglich für diverse Ablenkungen.

TWH sind schwer erziehbar: Richtig ist, dass Tschechoslowakische Wolfshunde sich nicht so bedingungslos wie andere (Gebrauchshunde-)rassen unterordnen und über keinen so ausgeprägten Will-to-Please verfügen. Sie wollen und sollen jedoch arbeiten und denken dürfen und müssen v.a. unbedingt erzogen werden! Ein TWH der keine Regeln kennt und Grenzen nicht akzeptiert ist nicht einfach nur eine Belästigung für die Umwelt sondern kann zur nicht zu unterschätzenden Gefahr für Mitlebewesen (2- wie 4-Beinig) werden.

Meiner Meinung nach hat man gerade mit einem Wolfhund sogar noch wesentlich mehr Verantwortung, als mit vielen anderen Rassen. Zum einen, weil ein solches Tier optisch einfach sehr stark auffällt – während ein unerzogener Golden Retriever halt nur ein einzelnes Negativbeispiel in der Masse an freundlichen, artigen Tieren ist, prägt sich ein negatives Erlebnis mit einem Wolfhund viel schneller ein und schadet der gesamten Rasse und häufig leider auch den von den meisten Wolfhundhaltern so verehrten und sich gerade wieder ansiedelnden Wölfen in Wald und Flur, da von „Hinz und Kunz“ oft kaum differenziert wird. Zum anderen sind TWH einfach große, kräftige Tiere, die durchaus respekteinflößend wirken und im Fall des Falles nicht nur für Angst- und Schreckmomente, sondern für ernsthafte Verletzungen sorgen können.

In Zeiten von Rasselisten und Giftauslegungen kann sich kein Hundehalter, der mit seinem 4-Beiner in der Öffentlichkeit unterwegs ist, ein ungezogenes Tier leisten. Es gilt: der Hund hat niemanden (weder Mensch noch Tier) zu belästigen oder gar zu gefährden.

Chinua hat ihren eigenen Kopf und hat sie sich etwas in diesen gesetzt, dann versucht sie das auf Biegen und Brechen durchzusetzen (heute häufig dipomatisch, früher auch gerne mal mit roher Gewalt). Konsequenz ist nicht unwesentlich – aufgestellte Regeln werden durchaus immer wieder mal hinterfragt. Grundsätzlich ist sie sehr intelligent und lernt schnell – wenn sie denn will. Aber genau das ist ein nicht unwesentlicher Punkt. Man muss ihr die Dinge v.a. gut “verkaufen” bzw. deutlich zu verstehen geben, wenn etwas ein “No-Go” ist. Laissez-Faire oder nur schön streicheln und lieb füttern klappt bei TWH meiner Meinung nach nicht, sondern kann ziemlich nach hinten losgehen.

TWH eignen sich nicht für den Hundesport: Grundsätzlich sind TWH sehr vielseitige Hunde, die in vielen Bereichen einsetzbar sind, gleichzeitig kann man aber nur schwer sagen: das findet er jedenfalls klasse – es kommt halt immer auf den einzelnen Hund an, was ihm liegt und Freude bereitet und natürlich auch auf den Halter und wie er seinem Hund etwas „verkauft“. Wenn einem TWH etwas keinen Spaß macht, wird man dabei auch nicht sehr weit kommen – jedenfalls nicht so, dass es für beide befriedigend ist. Hat er aber an etwas Freude, gibt er oft – zumindest fast – 100%. Wer also im Hundesport hoch hinaus will und sehr ehrgeizige Ziele verfolgt oder aber wessen Herz ganz stark an einem bestimmten Hundesport hängt, liegt mit entsprechenden anderen Rassen auf der sichereren Seite.

In den Ursprungsländern werden einige TWH noch im Schutz geführt. Es gibt TWH, die Breitensport und Agility betreiben. Welche, die Bikejören, Canicrossen oder im Gespann vor der Pulka laufen. Es gibt tricksende TWH und welche, die in Unterordnung oder Obedience geführt werden. Auch findet man sie manchmal beim Fährten oder als Besuchshunde im therapeutischen bzw. pädagogischen Bereich. In Deutschland gibt es sogar eine Hündin, die bei der Jagd eingesetzt wird. Wirklich gut sind sie aber beim Mantrailen – auch im Einsatzbereich. Das macht den meisten TWH wirklich Spaß – dafür scheinen sie eine natürliche Eignung zu besitzen. Rettungshundearbeit wäre prinzipiell sicher etwas, was einem TWH Spaß machen könnte – die Chancen dafür stehen sogar ziemlich gut. Die Chancen, eine Staffel zu finden, die einen TWH aufnimmt und mehr noch – wenigstens ungefähr weiß, wie mit ihm zu arbeiten ist, stehen da allerdings leider erheblich schlechter.

Ganz generell kommt man halt oft mit vereinsüblichem Training nicht sehr weit, weil sich TWH schnell langweiligen und nicht einsehen, eine Übung mehr als 1, 2 Mal hintereinander auszuführen. Abwechslung und Kreativität seitens des Halters sind hier sehr gefragt.

Ich habe mit meiner Hündin früher v.a. UO, Obedience und Mantrailing gemacht; heute tricksen wir hauptsächlich und gehen canicrossen und ab und zu bikejören. Ich habe das Glück, dass Chinua v.a. mit Futter sehr gut motivierbar ist, aber zwischendurch auch ein kleines Zerrspiel als Belohnung gerne annimmt. Sie arbeitet gut mit, allerdings muss zum einen die Motivation passen und man zum anderen mit ihr im Team agieren. Mit dem Gedanken „Ich Mensch – ich sagen – du Hund, du machen“ im Kopf, könnte ich bei ihr einpacken. Sie will nicht mir gefallen und für mich machen, sondern sie macht mit mir gemeinsam. Das ist ein riesiger Unterschied und so fühlt es sich auch beim Arbeiten an.

Chinua bei der BgH-3 Prüfung, Gablitz 2013

Gerade in der UO hat sie sogar besser als mein Weißer Schäferhund gearbeitet; war konzentrierter, exakter und frustrationstoleranter. Wobei die Ausbildung schon länger und zeitintensiver war, als beim Schäfer. Nicht weil sie länger gebraucht hätte um zu verstehen, sondern weil anfangs extremst abgelenkt, nicht von sich aus sofort zur Zusammenarbeit bereit gewesen und bis sie erwachsen wurde, instabil was die Leistungen betraf. Zudem kann man nicht zig Mal das gleiche wiederholen, da ihr schnell langweilig wird und sie die Lust verliert. Kreatives und abwechslungsreiches Training war und ist extrem wichtig.

Hatte sie Bock, gab sie 95%, hatte sie keinen Bock, gab sie grad so viel, dass es nicht ganz Scheiße war. Mit dem erwachsen werden wurden ihre Leistungen konstant gut und sie quasi auf- & abdrehbar. Und ist sie im Arbeitsmodus, werden Dinge ignoriert, die sie im Freizeitmodus durchaus beachtenswert fände.

Dennoch gibt es keine „Beschäftigung“, für die sie zu 100% „brennt“. Ein bisschen dies, ein bisschen das macht ihr Spaß und sie ist durchaus mit Eifer und Freude dabei, aber ein unbedingtes „Ich will ich will“, bei dem der Hund einfach völlig in der Tätigkeit aufgeht und „kopflos“ wird, gibt es bei ihr nicht. Dennoch haben wir einige Prüfungen in UO und Obedience abgelegt, sind auch bei dem einen oder anderen kleineren UO-Turnier angetreten (sogar mit meist sehr guten Platzierungen) und waren auch bei ein paar Canicross-Rennen mit dabei. Möglich ist das also durchaus; man darf eben nur nicht erwarten, im Hochleistungssport und schon gar nicht im Spitzenfeld mit zu mischen.

Schutzhundesport ist mit TWH zwar grundsätzlich sicher nicht ganz unmöglich, allerdings verfügen die meisten TWH meiner Meinung nach nicht über ausreichend Beutetrieb um diesen Sport ernsthaft zu betreiben, wie er – gut gemacht – hierzulande ausgeübt werden sollte – nämlich in erster Linie via Beutetrieb.

Ich selbst wäre anfangs grundsätzlich für Mondioring offen gewesen. Meine Hündin fand es auch ganz lustig, 1, 2 Mal um die Manschette zu zergeln. Dann wurde es ihr aber langweilig. Da konnte der Helfer Kasperl machen, was er wollte, sie stand einfach gelangweilt da. Bis er einen Moment unachtsam war – in genau diesem Moment schnellte sie vor und biss zu. Ziemlich clever und ziemlich energiesparend. Aber keine gute Idee, damit weiter zu machen, weil einfach zu wenig Beutetrieb und zu ernsthaft für derartige Spielchen. Ich zweifle nicht daran, dass sie mich im Fall des Falles beschützen würde. Vermutlich ohne viel Tamtam, aber dafür umso effizienter. Das hat aber mit Schutzhundesportarten nichts zu tun. Und Lust auf endlose Beutespiele, noch dazu mit einem so großen Trum, wo man den Kiefer auch ordentlich bemühen muss, waren nix für sie.

Zerrspiel beim Heelwork Seminar, Gablitz 2013