6. Etappe: Hadrians Wall

14. Oktober 2018: Hexham

Wir sind gut in unserem nächsten Stop, im Twice Brewed Inn in Bardon Mill, Hexham angekommen. Die Unterkunft ist nicht ganz so urig, wie das Fox And Hounds Inn, aber dafür komfortabler. Im Fox And Hounds hat nicht nur mein Fön den Geist aufgegeben (und beim Zimmer war keiner dabei), sondern ich hatte Freitag beim duschen plötzlich die Duschwand in der Hand, die sich nicht mehr wieder einhängen liess; ausserdem war das Wasser ein eher dünnes Rinnsal und die Temperatur entweder kalt oder zu heiß. Deshalb gab’s dort eher nur Katzenwäsche. Insofern geniess ich die gut funktionierende Dusche und den zum Zimmer gehörenden Fön hier gerade sehr; zumal es heute den ganzen Tag geregnet hat. Der Ausblick aus dem Zimmer ist auch hier grossartig; findet übrigens auch Teddy, wie man sehen kann. 😆 Hunde sind (wie auch im Fox And Hounds) auch in der Bar erlaubt. Da diese aber größer ist, hab ich mir ein „gscheites“ Essen und nicht nur Supermarktfood gegönnt und die Hunde das erste Mal mit genommen. Chin kennt das natürlich schon, aber für Teddy war’s das erste Mal. Auch das hat er ganz brav gemeistert ❤ (trotz bellendem Berner Sennenhund in einer anderen Ecke).

Nun trennen uns nur mehr knapp 50km von Schottland… 😶😃

 

15. Oktober 2018: Frosty Morning

Guten Morgen vom Hadrians Wall! Bei ersten Gassi heute, sah es so aus und es ist auch ziemlich huschi. Aber sooooo schöööööön hier!

Gefrühstückt hab ich sehr gut – nach einer Schüssel Cereals wollte ich das vegetarische English Breakfast probieren und bat um eine kleine!!! Portion. Tja…

Bevor es nun ein paar Meter weiter zum Parkplatz Steel Rigg geht, von wo aus wir eine kleine Wanderung am Hadrians Wall machen werden, noch ein paar Details vom Twice Brewed.

A “barbarian“ view of the Wall

Heute waren wir bei einem meiner persönlichen Highlights auf dieser Reise – eine Wanderung am Hadrians Wall. Und zwar nicht irgendwo, sondern beim Abschnitt mit Sycamore Gap. Sagt euch nix? Kennt ihr aber ziemlich sicher. Könnt ihr euch an “Robin Hood – Prince of Thieves“ mit Kevin Costner und Morgan Freeman erinnern? Als die beiden in GB ankommen und ihre erste Begegnung mit dem widerlichen Guy of Gisborne haben? Tja, das war genau bei Sycamore Gap. Die Tatsache, dass ich bald bei einer großartigen Filmkulisse aus einem von mir viel geliebten Film aus Teeniezeiten stehen werde, beeindruckt mich mehr als die Tatsache, dass der Hadrians Wall die Reste einer Befestigungsanlage aus dem 2. Jahrhundert sind. 🙈🙊 Auf Anordnung von Kaiser Hadrian wurde da eine 80 Meilen lange Mauer gebaut, die die Barbaren von den Römern trennen sollte. Wir starten am kostenpflichtigen Parkplatz Steel Rigg, nur 800m vom Twice Brewed Inn entfernt. Es ist grade 9 Uhr und wir sind noch ganz alleine. Gut gelaunt starten wir auf die 6km kurze Runde. Der Nebel hängt noch in den Talsenken und es ist wunderschön und herrlich still und friedlich.

Wir marschieren den Weg entlang – vorbei an Kühen, zum Glück hinter einer Mauer und freilaufenden Schafen, aber die stören uns ja nicht. Und dann erhaschen wir einen ersten Blick auf den berühmten Sycamore Gap Tree. Hach, ist das toll hier!

Wir kommen zum nächsten Gatter. Und dann falle ich aus allen Wolken. Kühe. Direkt neben dem Weg. Keine Möglichkeit, da mit viel Abstand und unbemerkt drum herum zu kommen. Und nicht nur das. Inmitten der Kühe steht auch noch ein riesiger Bulle. Ich zögere kurz. Vor Kühen und Wildschweinen hab ich, wenn ich Hunde dabei hab, wirklich wahnsinnig schiß.

Ich entscheide mich, um die Weide herum zu laufen. Also ab in die Pampa und den Zaun entlang, in der Hoffnung, da irgendwie drum herum zu kommen. Das Gras ist kniehoch und noch feucht von der Nacht. Und damit nicht genug, sind die Wiesen tief und morastig. Gut, dass meine Gummistiefel im Auto liegen. Meine Füße sind schnell klatschnass und bei jedem Schritt quatscht das Wasser in den Schuhen. Ich hasse das, wenn´s nicht so klappt, wie ich mir das vorstelle. Und ich hasse nasse Füße. Ich werd langsam pissig. Wir müssen einen Bach überqueren. Teddy bockt und ich lande im Wasser. Waaaahhh! Und zurück zum Weg kommen wir so auch nicht mehr, weil da andere Weiden mit versperrten Gattern sind.

Schei.. drauf, denk ich mir. Dann kraxeln wir eben direkt hinauf zum Wall. Zum Glück ist´s nur ein kurzes Stück und nicht schwierig. Und dann stehen wir das erste Mal bei DEM Baum.

So ganz geniessen kann ich’s noch nicht und wir gehen erstmal den Weg, den wir eigentlich retour kommen sollten in die andere Richtung. Man will ja nix versäumen; immerhin war der Umweg um die Weide jetzt quasi eine Abkürzung um knapp die Hälfte der Strecke.

Wir kommen an einem See vorbei und es ist so traumhaft schön, dass meine schlechte Laune bald wieder verflogen ist.

Nach einiger Zeit wechseln wir auf die andere Seite des Walls und gehen wieder zurück zu Sycamore Gap. Dort mach ich gefühlte Millionen Fotos, bevor ich mich losreissen kann und wir langsam zurück Richtung Parkplatz gehen.

Gut, dass wir so früh los sind, denn jetzt treffen wir immer mehr Leute. Fast alle sprechen mich auf Chin und Teddy an und streicheln die beiden. Auch eine Deutsche treffe ich, die seit 10 Jahren in GB lebt, weil sie sich einen Schotten geangelt hat. Wir plaudern eine Zeit lang, dann wandern wir weiter. Vorbei an den Überresten von Castle Nick, dann ziemlich steil bergab und dann sind wir wieder in Steel Rigg.

Gute 3 Stunden waren wir unterwegs. Ich freu mich tierisch, trockene Socken und Schuhe anziehen zu können. Und jetzt geht’s weiter nach Schottland! (Und zurück in Wien muss ich dann direkt den Film wieder mal rauskramen! 😊)