4. Etappe: Dover

10. Oktober 2018: Dover – White Cliffs & Castle

Oh Gott, was für eine Aufregung gleich in aller Früh! Ich hatte mich für den Eurotunnel statt der Fähre entschieden, weil man da mit den Hunden im Auto bleibt und die Fahrt auch nur 35 Minuten dauert. Gebucht hab ich Hin- & Rückfahrt schon vor Monaten. Ich wusste auch, dass die Briten sehr streng bei der Einreise von Haustieren sind und hab dementsprechend gut auf die nötigen Dinge geachtet – Chips nochmal überprüft, TW Impfungen haben sie sowieso, Bandwurmbehandlung wie vorgeschrieben… Statt 1,5 Std war ich sogar 2 Std früher dort. Trotzdem hatte ich soo Schiß, dass irgendwas ist und wir nicht einreisen dürfen. Und so war´s auch. In Teddys Impfpass ist nämlich die Chipablesung erst nach dem Datum der TW Impfung datiert. In Deutschland und Österreich völlig legitim, aber in GB nicht. So durfte ich erstmal nicht einreisen und musste gefühlte Ewigkeiten bangen und warten, bis die Damen eine Lösung gefunden hatten. Ich musste nun zu einem französischen Vet, den sie kontaktiert hatten, der mir um „schlappe“ 57€ einen neuen, GB konformen Pass ausstellte (heisst: er hat alle Daten übertragen und einfach ein fiktives Chipdatum vor den Impfungen eingetragen…😏 ) . Die Umbuchung von meinem Zug um 9:20, der sich natürlich nicht mehr ausging, auf 10:20 erfolgte freundlicherweise kostenfrei. Mittlerweile sind wir im Zug und bereits unter dem Ärmelkanal und steuern auf die Insel zu. Für heute hatten wir jedenfalls genug Aufregung! 😌 Ach verdammt… Jetzt kommt ja noch die Sache mit dem „auf der falschen Seite fahren“ auf uns zu…😝

Nach der Aufregung in der Früh, verlief der restliche Tag dann zum Glück recht entspannt. Das links fahren bereitet tatsächlich keine großen Schwierigkeiten und da ich im Zug nicht das 1. Auto war, konnte ich, in GB angekommen, erstmal hinter meinem Vordermann herfahren.

 

Vom Eurotunnel in Folkestone ging’s dann direkt nach Dover zum National Trust Visitor Center um eine Wanderung bei den White Cliffs of Dover zu machen. Vom kostenpflichtigen Parkplatz oberhalb des Hafens marschierten wir über Langdon Hole zum South Foreland Lighthouse. Leider ist er gerade eingerüstet, aber ich bin einfach so froh, in GB gelandet zu sein, dass es mich gar nicht stört. Bei Mrs. Knotts Tearoom direkt beim Leuchtturm gönne ich mir einen English Breakfast Tea und den ersten Scone mit Clutted Cream und Marmelade. Am Rückweg machen wir dann an einer traumhaften Stelle mit Ausblick auf die steilen Felsen und das Meer nochmal Pause, legen uns ins Gras und entschleunigen eine Zeit einfach nur. 7,6km waren wir unterwegs.

Zurück beim Auto ist noch etwas Zeit und so fahren wir zum Dover Castle. Hunde sind am Gelände erlaubt, nur in die Innenbereiche dürfen sie nicht. Wir schlendern nochmal knapp 1,9km herum und machen uns dann auf den Weg zu unserer heutigen Bleibe.

Unterwegs noch ein kurzer Stop bei Morrisons um einen Abendsnack (und ein Joghurt zum verfeinern des TroFus für die verwöhnten Köter) zu kaufen und dann ab ins B&B. Das Crabble Hill House ist nicht das komfortabelste; mit winzigem Zimmer und Klo und Bad am Gang, aber dafür absolut herrlich urig!

Morgen geht’s auf die vorerst letzte längere Etappe – ins ca. 520km entfernte North Yorks, wo wir bis Sonntag bleiben werden.

Wanderung Dover – White Cliffs

Gestartet haben wir am kostenpflichtigen Parkplatz des National Trust oberhalb des Hafen von Dover (der ist schon wirklich beeindruckend riiiiiesig – also der Hafen, nicht der Parkplatz).

Wir marschieren am Visitor Center vorbei und gehen dann, nicht direkt an den Klippen, sondern auf den befestigten Wegen über Langdon Hole und begegnen der kleinen Herde Exmoor Ponies, die dort lebt.

Nach etwa 3,5 km kommen wir zum viktorianischen South Foreland Leuchtturm, dem ersten elektrische betriebenen Leuchtturm. Leider ist er gerade eingerüstet ist. Macht nix. Meine Laune kann nach unseren überstandenen Einreiseproblemchen in Calais grad nix trüben. Ich suche uns einen freien Tisch auf der Wiese davor, hänge die Hunde an (die stabilen Picknickbänke werden´s schon aushalten, falls sie dran zerren) und wage mich ohne sie zu Mrs Knott´s Tearoom, einer entzückenden Teestube im 1950er Stil. Ich bestelle einen English Breakfast Tea und einen Scone mit Clotted Cream und Marmelade, die ich dann draussen in der Sonne bei den Hunden geniesse (die beiden haben übrigens ganz brav und ohne Tamtam gewartet *freu*).

Vor dem Leuchtturm stehen ein paar Tommy statues, ein WWI Memorial und heiss begehrtes Fotomotiv, wie´s scheint…

Nach der kleinen Stärkung wandern wir abseits des Hauptweges, direkt entlang der Klippen wieder retour Richtung Parkplatz. Irgendwo dort unten soll das Gerippe eines alten Schiffswracks liegen, aber ich kann´s nicht wirklich sehen (Als Schisshasi mit Höhenangst wage ich mich aber auch nicht allzu nah an die Abgründe ).

Wir steigen zu den beiden „Sound Mirrors“ aus dem 1. WK und zum Eingang des Fan Bay Deep Shelter (einem im 2. WK zur Verteidigung Englands angelegten Tunnelsystem in den Kreidefelsen), das aber zu hat.

Ein Stückchen weiter rasten wir nochmal an einer schönen Stelle mit tollem Ausblick auf die Klippen. Wir haben sie ganz für uns alleine und legen uns ein wenig im Gras in die Sonne und entschleunigen. Nach einiger Zeit bekommen wir dann „Besuch“ von einem netten asiatischen Pärchen, dass fragt, ob sie kurz auch hin dürfen um ein Bild zu machen. Dann sind sie aber so begeistert von Teddy und Chinua, dass ich sie gar nicht mehr loswerde und sie zig Fotos von ihnen (mit und ohne sich daneben) schiessen. Aber es wird eh Zeit, dass wir weiter wandern – wir haben ja noch ein bissl was vor heute.

Am Weg zurück zum Parkplatz haben wir wieder einige Ausblicke auf den riesigen Port of Dover und schließlich auch auf Dover Castle. Das steht jetzt dann ohnehin auch noch auf unserem Programm…

7,6km bei nicht mal 100hm mit viel Aussicht, etwas Geschichte und freilaufenden, aber ganz friedlichen Ponies.