10. Etappe: Crianlarich

20. Oktober 2018: Loch Ness, Craigh Na Dun & Crianlarich

Der gestrige Tag war wieder so gar nicht der Unsere: am Vortmittag ist uns fast ein Reh ins Auto gesprungen, am Abend sind uns fast ein paar Fasane hinein gelaufen. Und Mittags ist uns beim zurückschieben auf einem leeren Waldparkplatz tatsächlich ein Baum hinten hinein gehüpft. Zum Glück nix Schlimmeres als eine Delle passiert. Trotzdem ärgerlich. Merke: vertraue nie blind den Rückfahrsensoren.

Damit nicht genug hatten wir Abends dann Stromausfall im Cottage. Licht und Heizung gingen zum Glück, aber sämtliche Steckdosen hatten keinen Strom mehr und somit war keine TV Geräuschkulisse (auch kein Wasserkocher etc.) möglich und es war noch stiller im ohnehin schon stillen Haus.

Heute war dafür recht unspektakulär. Von Errogie fuhren wir Richtung Süden nach Crianlarich, wo wir die nächsten 2 Nächte in einem kleinen, aber ganz süßen und gemütlichen Zimmer im Ewich Guesthouse nächtigen werden. Es gibt hier einen normalen Wasserhahn (d.h. einer für heiß und kalt und alles dazwischen und nicht 2, wovon einer nur heiss, der andere nur kalt ausspuckt und dazwischen 20cm Abstand ist) und… einen FÖN! Juhuuu! Endlich wieder Haare nach dem Waschen trocken fönen können! Was für ein Luxus! 😂

Am Weg hierher haben wir zig Fotopausen im Nirgendwo wegen toller Landschaft gemacht. Zuerst beim Dores Beach am Loch Ness, wo der Nessie Hunter seine Hütte hat. Da es noch zeitig in der Früh war, haben wir aber niemanden getroffen.

Anschließend gings am westlichen Ufer von Loch Ness südwärts mit einem kurzen Stop beim Nessiecenter am Loch Ness, einen weiteren Kurzstop bei Urquhart Castle (3 Fotos vom Parkplatz aus geknipst und nix wie weg – die Touristenmassen meiden wir lieber).

Danach fuhren wir ein Stück durch den herbstlichen Cairngorms National Park Richtung Loch Rannoch und von dort auf einen Sprung zum „Craigh Na Dun“, der Location für den Steinkreis in “Outlander“. Den prägnanten Hügel gibt’s wirklich, den Steinkreis allerdings nicht so, wie er zu sehen ist. Zwar gab es dort tatsächlich mal einen, von dem sind aber nur mehr Fragmente übrig. Die magischen Steine in der Serie wurden mit Schaumstoff gebastelt. Hatte trotzdem was! 😉

Für die Outlander-Fans noch ein kleines Video vom „Craigh Na Dun“. 🙂
Wir hatten wirklich Glück – als wir ankamen, war kein Mensch dort; erst als wir uns wieder auf den Weg machten, kamen ein paar Leute.

Schließlich ging´s Loch Tay entlang und dann in den Loch Lomond & The Trossachs National Park bis zu unserer Unterkunft in Crianlarich. Mittlerweile hatte es zu regnen begonnen und so haben wir den Abend ganz relaxed und gemütlich im Bett verbracht.

21. Oktober 2018: Glencoe & Glenfinnan Viadukt

Heut‘ ist es passiert! Heut hab ich mich in Schottland verliebt. Bisher war’s nett, aber nicht wow. Das hat sich heute in den Highlands geändert.

In der Früh sind wir Richtung Norden losgefahren – haben den Loch Lomond & The Trossachs Nationalpark verlassen und sind in die Highlands eingetaucht.

Leider ist die Zeit sehr begrenzt, deshalb haben wir das Tal von Glen Coe nicht erwandert, sondern sind nur mit dem Auto durchgefahren. Dafür mehrmals – hin und her und wieder hin und am Heimweg das Gleiche nochmal. In der Früh war es verregnet und neblig – Wetter, wie man es von Schottland irgendwie erwartet. Abends, bei der Rückfahrt, lockerte es dann etwas auf und die Sonne lugte durch die Wolken. Leider war trotz des Wetters und obwohl schon mitten im Oktober v.a. am Parkplatz bei den „Three Sisters“ (einer markanten Felsformation, die zum Massiv des 1150 Meter hohen Bidean nam Bian gehört) relativ viel los – einige Reisebusse mit vorwiegend asiatischen Touristen hielten immer wieder für kurze Fotostops. Einsam ist das Tal nicht mehr wirklich, sondern eher ein Touristenhotspot.

So majestitisch das Tal auch anmutet, so tragisch ist die Geschichte, die sich dort vor langer Zeit abgespielt hat: Nach den ersten Jakobitenaufständen verkündete König William III, all jene Clans zu begnadigen, die ihm die Treue schworen. Er setzte eine Frist. Wer den Treueeid bis dahin nicht geleistet hat, sollte bitter bestraft werden.
Einige Clans warteten noch ab, ob ihr König – James – doch noch aus dem Exil zurück kehren würde. So auch die Mac Donalds von Glencoe. Da dies nicht geschah, machte sich ihr Clanchef schließlich auf, um den Eid zu leisten. Kurz vor Fristende traf er in Inverlochy Castle (dem heutigen Fort William) ein, wo man ihm allerdings mitteilte, dass der Schwur auf Inverary Castle, im Süden der Westhighlands, geleistet werden müsste. Die Strecke war damals in der verbleibenden Zeit kaum zu schaffen, man versicherte aber, dass der Schwur dennoch angenommen werden würde und so kehrte der Clanchef nach Hause zurück.
Staatssekretär Dalrymple überzeugte König William allerdings, eine Strafaktion und gleichtzeitig ein Exampel durchzuführen, auf das ihn seine Untertanen fürchteten und respektierten. Als Ausführende wurde der Clan der Campbells auserkoren, der mit den Mac Donalds  schon lange im Clinch lag.
So kam es, dass im Februar 1692 120 Clanmitglieder der Campbells und königliche Bedienstete bei den Mac Donalds anklopften und Zuflucht erbaten, die man ihnen zwar nicht gerne, aber aufgrund des schlechten Wetters doch gewährte. 12 Tage genoss der Trupp die Gastfreundschaft und meuchelten ihre Gastgeber (samt Alten, Frauen und Kindern) dann am frühen Morgen des 13. Tages im Schlaf.
Einer Legende nach weinte das gesamte Tal als das schreckliche Massaker bekannt wurde, weshalb es seitdem auch das „Tal der Tränen“ genannt wird.

Anschließend ging es weiter nach Glenfinnan am Loch Shiel. Dort wollten wir ein Stück wandern und dann den Jacobite Steam Train dabei beobachten, wie er das Glenfinnan Viakukt passiert. Der Zug ist auch als Hogwarts Express aus den Harry Potter Filmen bekannt, ebenso wie das Viadukt.

Start ist beim (kostenpflichtigen) Parkplatz des Visitor Centers – man marschiert ein paar Meter an der Straße, quert diese und geht ein Stück entlang des Ufers von Loch Shiel, an einigen Häusern vorbei, quert nocheinmal die Straße und folgt dann der Markierung zum Glenfinnan Station Museum.

Dort standen wir dann erstmal an und haben eine ganze Weile lang gesucht, wie´s weiter geht – der Weg führt nämlich direkt über den Eisenbahnwagon des Restaurants weiter – die Stufen hinauf und dann dahinter hinunter. Bitte wer kommt schon auf sowas?! Danach geht´s dem ab da wieder gut ersichtlich markierten Weg folgend, zuerst über ein paar Steige, dann durch einen Tunnel, in die Pampa.

Nach einem Stück aufwärts hat man einen traumhaften Blick auf Loch Shiel und die Umgebung und, nachdem man dem Pfad eine Zeit lang gefolgt ist, auf das Viadukt selbst.

Wir haben uns dann ein schönes Plätzchen gesucht um auf den „Jacobite“ zu warten. Laut Mailverkehr vom August sollte dieser 2x täglich – einmal VM und einmal NM das Viadukt passieren. Wir warten also. Und warten. Und warten. Und warten. Aber kein Zug kommt. Nach einer dreiviertel Stunde befrage ich Tante Google und – tadaaaa… der Zug fährt nur bis Ende September 2x/Tag, danach nur mehr Vormittag. Verdammt.

Also verlassen wir unser Plätzchen (ich hab mich eh schon gewundert, dass da nicht mehr Leute stehen und warten, aber nachher ist man ja immer schlauer) und wandern die Route fertig (ich ärgere mich tatsächlich nur ein winzig kleines bisschen – Schottland macht mich irgendwie gelassener…) – unter dem Viadukt durch (es ist wahrlich ein beeindruckendes Teil) zurück zum Parkplatz.

Nachdem ich die Hunde ins Auto verfrachtet hab (Chins Laune ist nach dem Nickerchen auf hartem Boden eher düster), steige ich noch kurz zum Aussichtspunkt hinauf, von dem man einen guten Ausblick auf den Loch und das Glenfinnan Monument hat.

Den Weg dorthin erspare ich mir aber diesmal – ich komme ja ohnehin irgendwann wieder, weil ich unbedingt den Zug direkt am Viadukt fotografieren will. Ich BRAUCHE auch so ein Foto! 😛 Zum Abschluß noch einen Sprung in den Tourishop im Visitor Center gemacht und ein paar Mitbringsel geshopped, bevor´s dann auf den Heimweg geht.

Auf diesem fahren wir abermals – nun bei etwas besserem Wetter durch Glen Coe und dann am Rannoch Moor vorbei. Mittlerweile ist es dämmrig und der Mond zu sehen. Also noch einen Fotostop eingelegt, obwohl es jetzt echt eisig kalt ist und ordentlich stürmt. Aber: muss sein.

Danach dann schnell zurück ins B&B – unter die heisse Dusche und dann ins warme Bettchen zum aufwärmen. 🙂